Die Angst, die ins Gesicht springt

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Ich schaue mir die Nachrichten aus Deutschland an und langsam beginnen sich die vielen Einzelfragmente zu einem Bild zusammen zu fügen.

 

Angst. Tiefste Angst. Das ist der Punkt, in der wir auf unserem Weg als Menschheit angekommen sind. Was immer uns innerlich am meisten beunruhigt, in Alpträumen jagt und vor dem wir uns panisch fürchten, das beginnt sich vor unseren Augen zu materialisieren. Alle die Ängste, die wir, gut versteckt, in dunklen Ecken aufbewahrt haben. Unter Bergen aus Mauern weggeschlossen. Wir haben uns eingeredet, sie würden nicht mehr existieren. Doch sie sind da. Und jetzt zeigen sie sich. Deutlich. Wie Gespenster, die aus Gräbern auferstehen.

 

Nicht nur in Deutschland. Überall auf der Welt. Sowohl auf der persönlichen, individuellen Ebene, als auch auf der gesellschaftlichen, in Staaten und in dem Umgang von Staaten miteinander.

 

Das, wovor wir Angst haben, wird Wirklichkeit. Nicht, weil diese Wirklichkeit einfach so vom Himmel fällt. Nein, weil wir sie mit unseren eigenen Händen, Gedanken und Handlungen aktiv erschaffen. Es gibt diese Weisheit in der Spiritualität: „Das, wovor du Angst hast, verfolgt dich bis in die Hölle und zurück.“ Wir können sie nicht wegmeditieren, wir können sie nicht wegrationalisieren, wir können sie nicht wegdebattieren. Wir können ihnen nicht mit Gesetzen, Regeln oder Einschränkungen beikommen. Sie wirken. Wir können ihnen nur in die Augen schauen und verstehen, dass sie unsere eigenen Schöpfungen sind. Wir müssen verstehen, dass wir sie selbst zur Wirklichkeit werden lassen. Niemand sonst.

 

Was also sehe ich in Deutschland an Ängsten wirken, wenn ich die Demonstrationen betrachte und die dazugehörige Berichterstattung? Was sehe ich, wenn ich diese ganze Corona-Zeit anschaue?

 

Wir sind ein Volk mit einer heftigen Geschichte. Einer Geschichte, die uns verfolgt. Trotz aller Aufarbeitung. Einer Geschichte, die nicht geheilt oder gelöst ist. Wir haben Angst, wirklich die Monster zu sein, die uns in Auschwitz in die Augen geschaut haben. Wir haben Angst, wirklich solche Ungeheuer, Mitläufer, Jasager und Rückratlose Führerhörige zu sein, die sich willenlos durch Propaganda in eine Richtung drängen lassen. Wir haben Angst, dass sich unsere Geschichte wiederholt und wir wieder genau den gleichen Wahnsinn erschaffen. Jeden treibt diese Angst an. Jede einzelne Seite derer, die da in Berlin auf der Straße standen. So sehe ich das jetzt auf die Entfernung, die mir einen anderen Blickwinkel zu schenken scheint.

 

Da sind diejenigen, die in ihrer Berichterstattung den Fokus nur auf die Rechtsradikalen lenken und damit Jeden, der mit auf der Demonstration war, automatisch in den Topf von blinden Staatsfeinden werfen, die zu dumm sind, um Propaganda zu durchschauen. Diese Berichterstattung zu Jedem, der eine andere Meinung zu Corona hat, wurde von Anfang an verfolgt. Seit den ersten kritischen Äußerungen oder Demonstrationen war das Wort Rechte immer mit dabei. Neben dem der Verschwörungstheoretiker. Es gab nie das simple Akzeptieren verschiedener Ansichten zur Corona und das offene Austauschen mit denjenigen, die eine andere Meinung vertreten, als die offizielle staatliche Linie. Nein es wurde immer nur nach dem Motto gehandelt: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“

 

Das ist es, was uns jetzt hier um die Ohren fliegt. Diese Haltung stigmatisiert Menschen zu Feinden, die es gar nicht sein wollen. Menschen, die einfach nur gehört und gesehen werden wollen. Doch diesen Platz, an dem einfach nur gehört oder gesehen wird, den gibt es nicht. Der wird nicht eingeräumt. Sondern sofort in aller Schärfe verurteilt. Mit Worten, die auf Schlachtfelder und in blinde Kriegsführung gehören. Und zwar sowohl im persönlichen Freundeskreis und Umfeld als auch öffentlich. Wenn ich die Post’s bei Facebook anschaue und die Wortwahl dort, dann dreht sich mir der Magen um. Da gibt es überhaupt keinen Meinungsaustausch mehr. Jeder wird praktisch sofort zum hirnlosen Trottel gestempelt, wenn er nicht der eigenen Meinung folgt. Und zwar auf beiden Seiten. Wir gehen aufeinander los, als wären wir immer noch die wilden Germanen, die keine andere Sprache als Niedermetzeln kennen.

 

Was also kann man tun, wenn man anderer Ansicht ist? Wohin soll man sich denn wenden? Wie soll man denn zeigen, dass man den Weg nicht für richtig hält? Was für eine Plattform gibt es denn, auf der vorurteilsfrei zugehört wird? Ich sehe keine.

 

Diese, unsere, Haltung und Angst, ist es, was diese immer stärker hervortretende Rechte Szene nutzt. Das ist die Bühne. Eine Bühne, die von denjenigen geschaffen wird, die davor Angst haben, dass die Nazis tatsächlich Deutschland sein könnten. Und von denjenigen, die Angst davor haben, nicht gehört und zu willenlosen Mitläufern von Regierungsentscheidungen zu werden, bei denen sie weder gefragt noch bei denen ihnen irgendein Mitspracherecht eingeräumt wird.

 

Die Nazis sind nicht Deutschland. Sie sind es wirklich nicht.

 

Doch wir verschaffen ihnen durch unsere Unfähigkeit miteinander zu reden, die Unfähigkeit uns wirklich auszutauschen, eigene Fehler einzugestehen und darüber nachzudenken, wie wir es gemeinsam anders und besser machen könnten, genau den Nährboden, den sie brauchen, um sich wieder stark zu fühlen. Sie sind Trittbrettfahrer. In dem Zug, den wir am Laufen halten. Weil wir uns gegenseitig mehr und mehr als Feinde betrachten. Weil wir uns gegenseitig vorwerfen blind, taub und dumm zu sein. Weil wir uns vorwerfen, die Tataschen nicht zu sehen, die doch so offensichtlich sind. Weil wir es nicht ertragen können, dass es vielleicht noch andere Wahrheiten als unsere eigene geben könnte.

 

So gestaltet die Angst, unsere Handlungen. Sie schafft den Nährboden. Sie schafft alle Voraussetzungen für eine Wiederholung unserer Geschichte. Das ist es, was ich in Deutschland sehe.

 

Doch nicht nur in Deutschland fliegen uns gerade unsere Ängste um die Ohren. Überall geschieht das jetzt. Es ist die Zeit dafür. Und es ist ein wichtiger Abschnitt in unserer Entwicklung als Menschheit. Wir müssen uns mit unseren tiefsten Ängsten auseinandersetzen. Wir müssen ihnen in die Augen schauen. Sie anerkennen. Nur dann können wir etwas verändern. Jeder, der einen spirituellen Weg geht, weiß darum. Er kennt es aus seiner persönlichen Entwicklung. Jetzt müssen wir das Ganze auch in den vielen Gemeinschaften durchlaufen. Nicht nur individuell. Da gibt es keine Abkürzung.

 

Weder für uns als Deutsche, noch für die Dänen, die Inuit oder irgendein anderes Volk auf dieser Erde. Wir alle haben unsere Leichen im Keller, die uns in unseren Alpträumen besuchen. Und solange wir sie nicht ausgraben und anschauen, werden sie uns verfolgen und wieder und wieder unsere Wirklichkeit gestalten. Da können wir noch so große Hochhäuser drüber bauen. Die Leichen bleiben.

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Timmijaaraq


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Die, die

überall hinfliegt.


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Der kleine Vogel.


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Unterwegs zwischen 

Himmel und Erde.


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Er setzt sich

sacht....


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.... auf dein Herz.


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Um zu singen

und zu zwitschern.


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Er singt ein Lied

vom Himmel. 


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Er singt

von einer Welt

ohne Grenzen.


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Er singt ein Lied

von der Schönheit

deiner Seele.


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