Ein Virus als Spiegel

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Für mich ist Corona ein Geschenk. So, wie jede Krankheit. So, wie jedes Ereignis, das in mein Leben tritt. Es ist immer ein Geschenk, auch wenn ich das im ersten Moment nicht unbedingt als eines sehen kann. Auch wenn es im ersten Moment wie ein Feind ausschaut, auf den ich draufhauen muss. 

 

Womit also beschenkt Corona mich? Worauf macht es mich aufmerksam. Diese Frage hat mich vom ersten Moment an beschäftigt, als ich in Kontakt damit kam. Für die Antworten lausche ich auf mein Herz und versuche so ehrlich und offen für diese Antworten zu sein, wie es mir in diesem Moment möglich ist.

 

Dieser Virus ist für mich ein Spiegel, in dem wir uns alle genau anschauen können. Ein Spiegel, der jeden Schleier wegzieht, den wir vor unserem echten Bild aufgehangen haben. Das gilt auf jeder Ebene. Für uns ganz persönlich, für unsere Beziehungen, unsere Gesellschaft, für die ganze Menschheit. Wir erblicken uns selbst. Und jede unsere Reaktionen erzählt davon, wer wir wirklich sind, in diesem Moment. Da ist nichts mehr zu verstecken.

 

Ich persönlich komme zutiefst mit meiner Angst in Kontakt, mundtot gemacht zu werden. Keine Stimme mehr zu haben. Nicht gehört zu werden. Einem System eingegliedert zu werden, das über meinen Kopf entscheidet, es für richtig hält. Einem System, das nur Unterordnung und Gehorsam duldet. Ich bin immer wieder in diese Situation gekommen in der Vergangenheit. Ich bin in der DDR groß geworden und es dort intensiv und live durchlebt. Ich habe erlebt, wie greifbar diese Angst war, das Falsche zu sagen. Wie wir alle zu Duckmäusern geworden sind. Weil wir Repressalien fürchten mussten, in unbekanntem Ausmaß.

 

Also, hielten wir den Mund, behielten unsere Gedanken für uns und sprachen sie selbst im engsten Familienkreis nur höchst selten aus. Ich habe erlebt, wie sich eine Welt anfühlt, in der ein Nachbar oder Freund zum Feind wird. Weil er ein Spitzel sein könnte, der mich bei der Stasi anschwärzt. Wer wirklicher Freund war, das war kaum noch zu durchschauen. Ich habe dieses Mißtrauen erlebt. Ich habe diese ätzende, zersetzende Kraft mitgemacht, die alles durchtränkt hat. Natürlich, man konnte sich damit arrangieren. Und das haben wir dort getan, um zu überleben. Ich auch. Doch dabei habe ich auch mit dem Gefühl gelebt, mich selbst und meine Überzeugungen zu verraten. Das wollte ich niemals wieder tun. 

 

Deshalb betrachte ich diese Maskenpflicht und alles, was gerade an gesetzlichen Bestimmungen und Regelungen geschieht ganz anders, als jemand, der die DDR niemals erlebt hat. 

 

Ich sehe die Parallelen. Sie sind frappierend. Auch jetzt gibt es eine "Wahrheit", die von allen fraglos akzeptiert wird. Auch jetzt wird jeder gezwungen, dieser Wahrheit zu folgen und danach sein komplettes Leben auszurichten. Jetzt geht es sogar noch einen Schritt weiter, als zuvor. Jeder, der es nicht tut oder tun will, wird als ein Mensch abgestempelt, der andere in Gefahr bringt. Verantwortungsvoll und empathisch handelt man nur noch, wenn man sich den Gesetzen unterordnet und ihnen folgt. Neben dieser immer stärker auftretenden Meinung kommt ein weiterer Nebeneffekt. Denunziantentum. Denn jeder, der jetzt anders denkt oder handelt, wird "gemeldet". Bußgeld, Redeverbot, gesperrte und gelöschte Beiträge auf Facebook. Gesperrte und gelöschte youtube-Videos, Verunglimpfung und Abwertung anderer Meinungen... diese Reaktionen ziehen sich durch alle Ebenen. Und sie werden immer offensichtlicher. Der nächste Schritt sind dann Impfpflicht, digitaler Chip und so weiter, und so weiter. Wohin führt uns das? In was für eine Welt? Was gestalten wir da wirklich im Moment? Und wollen wir das gestalten?

 

Ich möchte es nicht. Das ist nicht die Welt, die für mich auch nur in irgendeiner Art und Weise stimmig ist. Deshalb schreibe ich hier. Deshalb erhebe ich meine Stimme. Früher habe ich das nicht getan. Und wenn doch, dann habe ich Ablehnung, Ausgerenzung, Ausschluss und noch Schlimmeres geerntet. Für mich ist das jetzt der Moment, meine Angst vor diesen Folgen zu überwinden und weiter zu sprechen. Für mich ist es eine Chance, den Zweifel an meiner eigenen inneren Stimme zu überwinden. Den Zweifel an meiner eigenen Wahrheit. Den Zweifel daran, das ich tatsächlich etwas zu sagen habe, das wichtig ist. Den Zweifel daran, das meine Stimme tatsächlich auch ein Geschenk für Andere sein könnte. Das sie etwas verändern kann. 

 

Das tue ich hier. Das tue ich im Augenblick an all den Stellen, an denen mir das Leben die Gelegenheit dafür schenkt. Es ist ein wunderbares Gefühl, mich selbst so zu erleben. Es ist ein wunderbares Gefühl, mich selbst so beschenken zu können. Dafür bin ich Corona unendlich dankbar. 

 

Es braucht all' meinen Mut. Ich muss all diesen Ängsten wirklich ins Gesicht schauen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwierig es ist, anderer Meinung zu sein. Ich bin es im Moment auf praktisch jeder Ebene. Bis hinein in meine Liebesbeziehung. Das macht es zu einer riesigen Herausforderung für mich. Soviel Gegenwind. Soviel Schmerz der hochkommt, aus den Wunden in mir, die ich nie so fühlen konnte. Es ist ein Heilungsprozess. Der mich gesund macht. Auf der Ebene, auf der jede Krankheit für mich beginnt. In meinem eigenen Inneren. Was für eine ungeheure Möglichkeit...

 

Ich spüre schon, wieviel sich geändert hat in mir. Ich spüre den Wandel.

 

Ich glaube, wir sind als Gesellschaft und als Menschheit eingeladen, uns auch diese Fragen zu stellen und neue Antworten zu finden. Wie betrachten wir das Leben? Wir betrachten wir den Tod? Wie betrachten wir Natur? Wie betrachten wir einander? Wie gehen wir miteinander und unserer Welt um?

 

Im Augenblick spiegelt uns Corona, als Menschheit, in meiner Wahrnehmung, ein zerissenes Bild. Da ist extrem viel Angst bis hin zu Panik. Da ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Die Angst, von der Natur, sichtbar als Virus. Die Angst voreinander. Die Angst vor dem Verlust der Existenz. Die Angst vor einem Wandel. 

Wir reagieren auf diese Ängste. So sehen unsere Antworten im Moment aus. Sie versuchen, die Kontrolle zu behalten, sie versuchen, die Natur in den Griff zu kriegen, die uns bedroht. Sie sperren uns voneinander weg und lassen unsere wirtschaftlichen Grundlagen zu Staub zerbröseln. Sie lassen andere Meinungen nicht zu Wort kommen. Sie machen uns zu Menschen, die glauben, die Wahrheit schon zu kennen, obwohl wir eigentlich selbst nach Antworten suchen. 

 

Ich sehe auch andere Antworten. Ich sehe Miteinander, Hilfe, Unterstützung... Jeder findet seine Fragen. Jeder findet seine Antworten im Moment. Jede Antwort malt ein Bild. Davon, wer wir wirklich sind.

 

Wenn das Bild von dir, dir nicht gefällt, dann ändere es. Wenn uns das Bild, das wir hier miteinander von uns malen, nicht mehr entspricht, lasst es uns ändern. Jeder mit seiner Kraft und seinen Gaben. Wir alle gemeinsam. 

 

Es ist eine Einladung des Lebens. An jeden Einzelnen von uns. Ich wünsche mir, das wir sie bewußt, mit offenem Herzen und Liebe annehmen. Nicht mit Angst. Und ich weiß, das wir dazu in der Lage sind....

 

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