Männer und Frauen

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Mit dem Blick hinter die Kulissen männlicher Stärke, kommt offensichtlich alles ins Wanken, was ich jemals über diese Welt als wahr angenommen habe. Alte Stereotypen. 

 

Unsere Positionen in dieser Welt sind falsch verteilt. Sie entsprechen nicht unseren Fähigkeiten. Sie entsprechen nicht den Schätzen, die wirklich in uns stecken. Männer sind an Schaltpositionen. Sie treffen Entscheidungen für die gesamte Gesellschaft. Sie sind die Politiker, Firmenchefs. Lenker und Leiter, Kapitäne und Steuermänner. Sie sagen, wo es lang geht. Überall. Wenn eine Frau mal in ähnlicher Position ist, dann in der Regel nur, weil sie sich wie ein Mann benimmt. Weiche Führer? Fehlanzeige. 

 

Doch genau das ist es, was wir brauchen in dieser Welt. Männer sind nicht diejenigen, die zehn Schritte voraus und zwanzig zur Seite denken. Sie sind zielorientiert. Und darin absolut unschlagbar. Sie bringen Dinge auf die Erde. Direkt und ohne große Umwege. Das ist wunderbar. Denn diese Kraft haben wir Frauen nicht.

 

Doch sie sind nicht diejenigen, die mit Blick auf alle Zusammenhänge und Folgen, Entscheidungen treffen können. Sie sehen nicht diese unsichtbaren Fäden, die alles miteinander verbinden. Sie lauschen nicht auf alle leisen Töne hinter den Dingen. Sie sind nicht so vertraut mit den Rhythmen des Lebens, wie es Frauen sind. Ihnen ist die Harmonie von Allem sehr viel weniger wichtig als das fertige Endresultat. Einfühlungsvermögen ist eine Stärke der Frauen. Doch sie ist unabdingbar, um eine Lösung zu finden, die allen dient. Ausnahmslos allen.

 

Und genau solche Lösungen brauchen wir in unserer Welt heute.

 

Wir brauchen keine Hau-Ruck-Aktionen mehr, die kurzfristig toll ausschauen und langfristig Katastrophen heraufbeschwören. Wir brauchen Entscheidungen, die dem Wohl der gesamten Welt und aller Wesen dienen. Nicht nur einem Teil davon. 

 

Diese Entscheidungen können nur Frauen treffen. Doch sie sind nicht diejenigen, die sie umsetzen können. Wenn jeder von uns an dem Platz wirken würde, der seinen echten Fähigkeiten entspräche, wir würden in einer gerechteren Welt leben.

 

Wir haben tatsächlich alles auf den Kopf gestellt. Wir haben Männer in Positionen gepackt, die Göttern gleichen. Wir haben Frauen aller äußeren Macht beraubt und sie zur Anbetung der Männer verdonnert. Damit sind die Einen überfordert, weil niemand das leisten kann und die Anderen zum Schattendasein verdammt. Es ist niemandem gedient. Und genauso schaut unsere Welt auch aus. 

 

Das heißt nicht, das wir am Ende nicht alle Fähigkeiten in uns wecken können. Das heißt nicht, das es nicht auch Männer gibt, die sehr viel weiter denken und umsichtig handeln. Und das heißt auch nicht, das es nicht auch Frauen gibt, die über die nächste Kreuzung nicht hinausfahren können. Wir alle sind nicht vollkommen und Stereotype, egal in welcher Richtung, haben immer eine Schwäche. Und natürlich versuchen wir Menschen schon eine ganze Weile, die Welt gerechter "aufzuteilen". Aber es gelingt uns nicht so sicht- und fühlbar, das echter Wandel geschehen kann. Und das hat einen Grund. 

 

Wir halten an alten Verteilungen fest. An alten Rollenmustern. An alten Denkstrukturen. An Positionen. Hierarchien. Pfründen. Macht. Wir haben Angst, etwas zu verlieren, wenn wir eingefahrene Bahnen wirklich verlassen. Dabei haben wir alles zu gewinnen. 

 

Männer halten fest, weil sie sich mit ihren Positionen identifizieren. Weil ihr Selbstwertgefühl an den äußeren Schein gekoppelt ist. Doch sie sind so viel mehr als diese Äußerlichkeit. Das traut sich nur kaum einer zu denken. 

Frauen halten fest, weil sie so bequem der Verantwortung entgehen und die Männer im Geheimen trotzdem unterminieren können. Sie stehen nicht draußen und zeigen sich. Es scheint soviel einfacher.  Und es ist soviel Zerstörerischer. Für sie selbst, für die Männer und für unsere gesamte Welt.

 

Die Einen müssen ihren echten Wert finden. Die Anderen müssen das ebenso. Beide müssen dazu stehen. Und in die Positionen gehen, die Allen dienen. Allen 

 

Ich habe damit begonnen, ganz bewußt, im letzten Monat. Seit mir klar geworden ist, was das geschieht und wie intensiv ich selbst mitgestrickt habe an der Schieflage der Welt. Mir ist klar geworden, wie sehr ich selbst Männer in diese Rolle gedrängt habe. Wie sehr ich meine Verantwortung abgegeben habe. Ein Teil von mir hat immer dagegen rebelliert, aber konnte das nie in Worte fassen.

 

Jetzt habe ich das Gefühl, das das nötige Rüstzeug in mir steckt. Es kann losgehen. So richtig losgehen. Mit dem Mut, dem Aufrecht stehen, dem Verantwortung übernehmen und dem Entscheidungen treffen. Einer muss anfangen. 

 

Und wenn das nicht auf Gegenliebe stößt, dann weiß ich jetzt, das es nichts mit mir persönlich zu tun hat. Es wird mich nicht mehr demontieren und innerlich auseinanderbröseln lassen. Sondern es zeigt nur, was der Andere denkt. Nicht mehr. 

 

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