Corona? - Was sagt mein Herz?

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Ich muss gerade an das kommunistische Manifest denken. An diesen ersten Satz: "Es geht ein Gespenst um, in Europa, das Gespenst des Kommunismus." Ja, auch jetzt geht ein Gespenst um, in Europa. Diesmal heißt es Corona. Und es erzeugt genau so viele irrationale Reaktionen aus Angst und Angst und Angst, wie damals bei Marx. 

 

Ich bin seit einer Woche mitten drin in diesem Feld aus Angst und habe das Gefühl, einer Welt zuzuschauen, die ein Stück spielt, an dem ich nicht beteiligt bin. Ich mache nicht mit. Ich komme nicht auf die Bühne. Ich stehe an der Seite und schaue zu. Und ich sage, was ich sehe.

 

Ich sehe Panik. Pure Panik. Massenpanik. Panik, die sich tagtäglich mehr potenziert. Grenzen werden dicht gemacht. Grundlegende Menschenrechte eingeschränkt oder ganz ausgehebelt. Staatliche Regeln treten in Kraft und müssen befolgt werden, weil sonst das Schlimmste droht - Pandemie epischen Ausmaßes. Die Medien überschlagen sich seit Wochen mit Superlativen, die für mich in keinem Verhältnis zu den Zahlen stehen, die veröffentlich worden sind. Da herrscht eine Hysterie, die sich selbst nährt.

 

Was fehlt, fast gänzlich, sind Antworten zu den Basisfakten. Zu den Grundlagen all dieser einschneidenden Maßnahmen. Es kursieren die verschiedensten Zahlengerüste, aber keines ist wirklich verifiziert, vielleicht oder wahrscheinlich, weil das im Moment gar nicht möglich ist. Trotzdem wird auf der Grundlage von .... ja, von was eigentlich?.... gehandelt. Und jeder Zweifler wird zum verantwortungslosen Mitbürger gestempelt der Andere in Gefahr bringt, weil er sich nicht an die allseits ausgemachten Regeln hält. Und natürlich möchte niemand irgend jemanden in Gefahr bringen. Und so kommt eine Spirale in Gang, die unsere gesamte Gesellschaft in allerkürzester Zeit demontiert. Mit allem, was dazu gehört. 

 

Die gute Seite. Da herrscht ein Stillstand, eine Ruhe und Einschnitt, wie es sonst niemals möglich gewesen wäre. Zeit zum Nachdenken. Zeit zum wirklich Innehalten und alles Hinterfragen, was jemals hinterfragt gehört hat. Die Flieger bleiben am Boden, die Natur atmet auf. All das Gehetze, all das Gerenne, all das Gestresste macht eine Vollbremsung. Nichts außer der diffusen Angst um die Gesundheit hätte das vollbringen können. Wozu diese Angst und Medien in der Lage sind, das erleben wir jetzt. Wir können also wirklich anhalten. Wenn es für diesen Grund geht, dann können wir es auch an den Stellen, wo es wirklich um unser Überleben geht. 

 

Die bedrohliche Seite. Die Existenz von all den Freiberuflern und Selbstständigen ist massiv in Gefahr. Weil es da kein Netz und keinen doppelten Boden gibt. Weil da keine Regierung einspringt und keine Banken zur Abfederung herbeieilen. So geht es mir auch gerade.

 

Die Chance? Corona zeigt uns, wie unser System wirklich funktioniert. Wie es beschaffen ist und sie zeigt uns, wie wir selbst wirklich beschaffen sind. Es hebelt die Vorbilder und Führungspersonen aus. Es zeigt uns, wer wirklich etwas zu sagen hat, wenn es drauf ankommt. Wer uns wirklich weiterhilft. Wer Mut hat und wer nicht. Er zeigt uns, wo unsere eigenen Werte jenseits von Lippenbekenntnissen wirklich sind, wenn es eng wird. Helfen wir einander? Stehen für füreinander ein oder wenden wir uns ab? Denken wir selbst oder lassen wir denken? Reagiert unser Herz oder unser Verstand? Leben wir in Liebe oder in Angst? Bleiben wir unseren Werten treu, auch wenn alle um uns herum anders denken und handeln, oder knicken wir ein? Passen uns an und nicken ab, was uns eigentlich nicht entspricht?

Wenn uns das Bild nicht gefällt, was wir jetzt von uns sehen, dann ändern wir es. Es ist die perfekte Zeit dafür. 

 

Dieser Virus ist nicht unser Feind. Wir sind unser Feind. Unsere Angst ist unser Feind. Corona hilft uns, zu uns selbst zu finden. Er ruft uns auf, eine Welt zu schaffen, die wirklich so ist, wie wir sie uns wünschen. Eine Welt, in der wir nicht vor unserem Alltag wegrennen oder ihn nur ertragen, weil es halt so sein muss. Eine Welt, in der wir nicht in Urlaube und Vergessen flüchten, um dann weiter zu funktionieren. Eine Welt, in der wir nicht folgen, sondern gestalten. Eine Welt, die die Werte verkörpert, die uns wirklich als Menschen ausmachen. 

 

Was mein Herz dazu sagt? 

Das hat sich zur Liebe entschlossen. Auf der ganzen Linie. Die Angst habe ich irgendwo an der Türschwelle in diesen Monat zurückgelassen. Jetzt ist der Mut da. Und Offenheit. Und Ehrlichkeit und all die Worte, die schon immer in mir gewartet haben. Jetzt rede ich darüber, was ich sehe. Ohne Punkt und Komma. Aus dem Herzen. Für ein Miteinander, das uns stolz macht auf uns. Ein Miteinander, das uns glücklich macht. Das Lächeln ins Gesicht zaubert und uns näher bringt. Und für ein Miteinander, das jeden Einzelnen von uns aufrecht stehen lässt, kraftvoll und vollkommen unkopierbar.

 

Das alles soll Corona können? Nein? Das macht nicht Corona. Wir machen das. Wir hätten das auch schon früher gekonnt.... Aber manchmal geht es nicht ohne einschneidenden Weckruf. 

 

Eins weiß ich. Wir brauchen es. Wir brauchen es dringend. Und das Leben hätte uns kein schöneres Geschenk machen können, als jetzt genau hinzuschauen und alles umzukrempeln, was umgekrempelt gehört. Es hätte uns nicht besser aufwecken können.

 

Also los.... Es gibt jede Menge zu tun.... Jede Menge zu ändern.... Und der ganze Farbkasten steht bereit!

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