Ich lebe wieder!

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An diesem ersten Juni-Wochenende habe ich beim ZEGG-Pfingstfestival mitgemacht - online. "Let's talk about sex", das war das Thema. Und schwupps, bin ich wieder mitten drin in meiner Lebendigkeit und Lebenslust gelandet. Die Sexualität fließt wieder... Voller Kraft. Voller Schönheit. Ich selbst fließe wieder. Ich spüre ein Blühen und ein Aufrichten, das jetzt wirklich alle Chakren einschließt. Wie unglaublich gut sich das anfühlt. So ganz wach. So ganz da. 

 

Das hat mich allerdings auch mit der Nase darauf gestoßen, das meine komplette menschliche Umgebung den kompletten Gegensatz davon darstellt. Nur die Natur, sie blüht dort draußen. Doch die Menschen haben sich für eine Art Scheintod entschieden. Dort ist die Angst vor dieser ungeheuren Lebenskraft so groß, dass alles reglementiert, kontrolliert und in feste, enge Korsetts aus Verhaltensnormen gepresst ist. Alles, was frei fließen sollte, inklusive der Natur selbst, wird in starre Formen gesteckt. Lebendiges Wasser wird zu trägen Kanälen. Bäche zu halbvertrockneten, stockenden Rinnsaalen. Alles tröpfelt nur noch vor sich hin. Und wir Menschen sind mittendrin. Abgeschnitten von unserer eigenen Lebendigkeit.

 

Kleine Fluchten bestätigen dieses Bild. Urlaub. Sexorgien. Freßgelage. Sportliche Höchstleistungen. Alles das wirkt für mich jetzt wie eine Explosion. Ein Versuch, dieser Lethargie, Leere und Sinnlosigkeit zu entfliehen, die wir in uns spüren. Alles vollkommen überzeichnet. Alles übertrieben. Alles als Exzess. Weil nur mit einem Extrem das Extrem des "so leben wir" ausbalanciert werden kann. 

 

Es ist schon lustig. In uns ist diese unendlich tiefe Angst vor dem Tod. Diese Panik vor jedem Wandel. Und wie schaut unsere Strategie, unser Umgang vor dieser Todesangst aus? Wir gestalten unser Leben zu einer Art endlosem Tod und leben ihn tagtäglich. Wie sollte man sonst beschreiben, was wir da treiben in unserer Welt? Bloß keine Veränderung. Festhalten um jeden Preis. Kontrolle bis zur vollkommenen Sprachlosigkeit. Anhalten bis zur Totenstarre. 

 

An diese Welt habe ich mich also bisher angepasst. Ihr habe ich meine Lebendigkeit untergeordnet. Ich habe sie beschnitten, um reinzupassen in diese Bühne der lebenden Toten. 

 

Tja, das ist vorbei.... Ich warte nicht mehr darauf, das irgend jemand dort draußen aufwacht und an meine Tür klopft. Ich passe mich nicht mehr an. Ich beschneide mich nicht mehr. Ich halte nicht mehr den Mund. Ich nehme keine Rücksicht mehr, ob ich jemandem auf die Füße trete. 

 

Ich bin ein Wirbelwind. Ich bin eine große Welle. Ich bin Sturm und Veränderung. Ich bin pures Fließen. Lust, Wonne, Freude, Jubel, Umarmen, Lachen, Sinnlichkeit. In mir ist jede Zelle am Tanzen. Ich lebe wieder. Endlich, endlich lebe ich wieder. Ich kann es fühlen. Wie einen pulsierenden Atem, der durch mein ganzes Wesen fließt. Ich lade Jeden ein. Ich zeige mich damit. Ganz offen.... 

 

Keine Ersatzbefriedigungen mehr. Keine Fluchten. Das Korsett liegt am Boden. Ich habe es abgestreift. Ich bin in den Fluß gesprungen und schwimme planschend durch die herrlich frischen Fluten, lasse mich treiben und genieße dieses wundervolle Gefühl, umspült zu werden und dabei selbst zum Spüren zu werden... Zum Wasser. Zum Fließen...

 

Mag die Welt tun, was sie will. Mögen die Menschen tun, was sie wollen.... Ich bin wieder lebendig. Und ich werde niemals mehr damit aufhören....

 

 

 

 

 

 

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