Die Entscheidung

                      © Grace Winter / pixelio.de                    © Steffen Eger / pixelio.de                     © cdrabon / pixelio.de

Aufbruch. Aufbruch nach Grönland. Es ist Zeit. Die Entscheidung, die ich im Juni des letzten Jahres getroffen habe, wird jetzt real und anfassbar. Der nächste Schritt steht an. Ich fliege nach Grönland, in vier Wochen mit offenem Rückflugdatum.

 

Es ist kein Flug ins Unbekannte. Es ist Vertrautheit. Es ist nach Hause kommen. Mein Herz weiß es, seit meine Füße das erste Mal diesen Boden berührt haben. Es weiß es, seit diesem magischen Abend am Sermiliq-Fjord, als mich das überwältigende Gefühl durchströmte, dass es genau dieser Ort ist, nach dem ich mein Leben lang gesucht habe. 

 

Alles in meinem Leben hat mich auf das hier vorbereitet. Der rote Faden ist so klar und deutlich geworden in den letzten Wochen und Tagen. Doch da ist nicht nur dieses Leben. Da ist auch dieses Andere, dass jetzt vollendet werden will. 

 

Jetzt kommt die praktische Probe. Wie ist es, dort für längere Zeit zu leben? Ohne Gäste. Mitten in einer kleinen Gemeinde am Ende der Welt. Mitten unter 2.500 Menschen, von denen Jeder Jeden kennt und ich keine der beiden Sprachen wirklich spreche? Es wird eine intensive Zeit des Lernens. Mit allen Sinnen. Eine Zeit des Ausprobierens, Kontakte knüpfens, verstehens. Eine Zeit des Fragens und Beobachtens. 

 

Mein Platz wird das Rote Haus sein. Für jetzt und für die Zukunft. Ich werde dieses Projekt mitgestalten und weiterführen zusammen mit wunderbaren Menschen. Vor Ort und in Deutschland. Auch dafür sind alle Weichen gestellt, alle Samen in die Erde versenkt. In welcher Form, in welchem Zeitraum - das weiß ich alles nicht. Es wird sich zeigen, Stück für Stück. Ich kann nur den nächsten Schritt gehen. Und dafür folge ich nichts anderem mehr als meiner inneren Stimme. Ich folge dieser unglaublich zielsicheren Intuition, die mich geleitet, wie ein Kompass duch Wetter und Sturm. Mein Kopf denkt mit, aber er hat das Zepter abgegeben. Seele und Herz haben die Regierung übernommen und ich spüre, das alles in mir feiert.

 

Es ist eine Feier der Lebendigkeit. Inmitten aller möglicher Unwägbarkeiten und Unsicherheiten. Denn - ich habe kein Einkommen, im Moment. Mit Corona ist meine Arbeit komplett in sich zusammengebrochen. Alle Touren, die ich hätte leiten sollen bis inklusive Mitte September wurden abgesagt. Was mit den restlichen vier geschieht, dich noch ausstehen würden? Wahrscheinlich das Gleiche.

 

Ich hatte den Antrag auf Hartz4 auf dem Tisch, habe ihn abgeschickt, aber spüre jetzt, das nichts davon wirklich stimmig ist für mich. Das Konstrukt der staatlichen Hilfe knebelt mich, wie es Ketten nicht wirkungsvoller könnten. Angefangen von einem zu beantragendem maximal 3-wöchigem Urlaub über die endlosen Überprüfungen und Bevormundungen bis zum Tonfall der Mitarbeiter mit den Antragstellern. Nein, das ist nicht meine Welt. Das ist kein Wind unter den Flügeln. Das ist keine Freiheit. Das ist ein Gefängnis. Es muss und es wird einen anderen Weg für mich geben. 

 

Seit heute morgen bin ich sicher. Und staune selbst über diese unglaubliche Sicherheit und das Vertrauen in mir. Zu mir.

 

Mein Leben hat mich gut auf diesen Sprung vorbereitet. Immer wieder bin ich meinem Herzen gefolgt. Doch das jetzt hat eine andere Dimension. Dieses Projekt ist nicht irgendein Tourismusprojekt. Es hat eine Seele. Sie ist spürbar für Jeden, der hierherkommt. Es liegt an dem Land, es liegt an der Erde, es liegt an den Menschen, es liegt an Robert. Dieses Hotel ist ein Ort von Begegnung. Echter Begegnung. So, wie ich Reisen immer verstanden habe. Nur, dass ich noch viel weiter gehen möchte. Zusammen mit den Menschen von Tasiilaq und Grönland. Brücken bauend, Hände reichend. 

 

Ich werde alle meine Fähigkeiten und Talente brauchen. Jede Einzelne. Ich weiß, es wird eine Achterbahnfahrt voller Hoch und Runter. Doch ich weiß auch, dass ich mich genau damit so lebendig fühle, wie noch niemals vorher.

 

Also - springe ich. Dorthin, wo das Herz wild klopft. Die Hände feucht werden und das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht weichen will. Ich springe und feiere das Leben. Mein Leben....

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Timmijaaraq


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Die, die

überall hinfliegt.


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Der kleine Vogel.


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Unterwegs zwischen 

Himmel und Erde.


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Er setzt sich

sacht....


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.... auf dein Herz.


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Um zu singen

und zu zwitschern.


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Er singt ein Lied

vom Himmel. 


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Er singt

von einer Welt

ohne Grenzen.


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Er singt ein Lied

von der Schönheit

deiner Seele.


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