Es ist soweit....

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Meine Reisetasche steht fertig gepackt im Flur, prall gefüllt. Mein Rucksack schaut nicht anders aus. Aus der Fülle, die ich ursprünglich auf dem Boden aufgereiht habe, hat es nur die Hälfte in die Tasche geschafft. Mehr geht nicht. Denn in die 20 Kilo mussten Zelt und Schlafsack genauso Platz finden, wie warme Winterkleidung. Da ist nur Raum für das wirklich Wesentliche. Und allein dieses Aussortieren ist schon ein genialer Prozess. Loslassen, loslassen, loslassen.

 

Ich mache seit vier Wochen nichts Anderes mehr, als das. 

 

Denn dieser Abschied und Neubeginn jetzt ist soviel mehr, als es im ersten Moment aussieht. Es ist auch ein Sprung ins Unbekannte. Ich weiß nicht, wie sich alles dort entwickelt. Ich habe keine Ahnung, was in der Welt in dieser Zeit geschehen wird. Die letzten Monate haben mich sehr flexibel gemacht, was Planungen angeht. Denn morgen kann alles schon ganz, ganz anders aussehen. Genauso leben die Inuit auch. Im Hier und Jetzt. Ja, da passe ich dank Corona wunderbar rein.  

 

Werde ich klarkommen an einem Ort, der so anders ist, als alles, was ich hier kenne? Werde ich eine Verbindung zu den Menschen schaffen können? Wie lange wird es dauern, die Sprachen zu lernen? Dänisch, Westgrönländisch, Ostgrönländisch... Alles brauche ich, um mich verständigen zu können. Aber da ist nicht nur die Sprache, die es zu lernen gilt. Ich muss alles über das Rote Haus und Grönland lernen. Stück für Stück und der Hauptlehrer wird Robert sein. Wie das gelingt? Auch das ist ein Teil des Abenteuers.

 

Was ich brauche ist Vertrauen. Vertrauen in diese innere Stimme, die mich zu diesem Schritt aufgerufen hat. So lautstark, das Ignorieren nicht mehr möglich war. Vertrauen in meine Intuition und in mein Herz. Vertrauen, in den inneren Kompass, der mich führt.

 

Ich bin Achterbahn gefahren, in diesen letzten Wochen. Hoch, runter, hoch, runter. Zwischen Zweifel, Stagnation, Festhalten und Zuversicht, Bewegung, Enthusiasmus und Fließen hat es mich hin und her gerissen... Ich habe alles zugelassen, weil ich gespürt habe, wie wichtig jeder Schritt des Prozesses war. Und jetzt, jetzt fühle ich mich bereit. 

 

Bereit, zu gehen.

 

Morgen, am 8.8. fahre ich nach Kopenhagen. Dort muss ich einen Corona-Test machen. Der ist momentan Plicht für die Einreise nach Grönland. Ohne ihn, werde ich schon beim Check-in zurückgewiesen. 48 Stunden später mit einem hoffentlich negativem Ergebnis und dem schon längst ausgefülltem, abgeschicktem und bestätigten Sumut-Formular (mit dem kann ich dann getrackt werden... ;-)) werde ich dann nach Kangerlussuaq fliegen. Am Mittwoch, den 12. August 2020. Die ersten Tage gehören der Wildnis und dem Fühlen. Ich wandere zum Großen Eis und campe in der Nähe. Es braucht für mich als Erstes diese Verbindung, um anzukommen. Dann geht es zum Corona-Test Nummer zwei, weil Ostgrönland als "verletzbares Gebiet" zählt. Wieder 72 Stunden später, mit dem zweiten hoffentlich negativem Ergebnis kann ich dann weiterfliegen. Erst nach Nuuk, dann nach Kulusuk und zu guter Letzt nach Tasiilaq. 

 

Und dort bleibt ich dann und lasse mich vom Leben, meinen Impulsen und dem überraschen, was dort auf mich wartet. 

 

Eines weiß ich nach dieser Achterbahnfahrt der letzten Wochen. Die Entscheidung ist ein Geschenk. Und ich weiß auch, dass es gut wird. So, wie es auch meine Spendenaktion  zum Geburtstag geworden ist. Danke an dieser Stelle noch einmal allen, die mich unterstützen, diesen Schritt gehen zu können. Es hat mich tief berührt, eure Hilfsbereitschaft zu erleben. 

 

So sollte sie sein, unsere neue Welt, oder? Eine Welt, in der wir auf unsere Herzen hören und teilen. Ohne Bürokratie, Regeln, Formularien und erstickende Gesetze. Eine Welt, in der wir so Mensch sein können, wie wir es wirklich sein wollen. Eine Welt, in der wir miteinander gehen. Ich fühle mich auch dank euch schon in dieser Welt. Und ich bin froh, so unendlich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Nach Unterstützung zu fragen und mich so unverfälscht zu zeigen - das war ein ziemlich großer Sprung. Ehrlich und offen um Hilfe fragen? Das macht man in dieser alten Welt voller Bewertungen nicht so einfach. 

 

Doch mir ist nur Positives begegnet auf diesem Weg. Unterstützung in jeder nur denkbaren Form... 

 

Also - werde ich weitergehen auf diesem Weg der inneren Inspirationen, Eingebungen und Ideen. Ich folge meinem Herzen und schaffe mir die Welt, die ich dort fühlen kann. In jedem Moment...

 

 

 

 

 

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