Das ist nicht die erste Reise auf dieser Erde.

Nein, dies ist nicht meine erste Reise.

Die Bruchstücke fügen sich zusammen.

 

Ein Reichtum an Erfahrungen.

Wunden, die jetzt heilen können.

Ein großer Kreis beginnt sich zu vollenden....

© Heike Würpel

Neuseeland hat für mich die Erinnerung an den Anfang bewahrt. Hier kommen die Bilder zurück in mein Bewußtsein. Bilder von der Erschaffung der Erde. Vom Gesang, der diese Welt ins Sein gesungen hat. Meine Stimme war Teil davon. Die Klänge haben aus Energie Materie geschaffen. Jeder webte seine Träume von Schönheit hinein. Jede legte ihre ganze Liebe hinein.

 

Es entstand eine Welt voller Vielfalt und sprühendem Leben. Ein Raum zum Leben und entfalten für uns als Menschen. Wie Blumen unter einem weiten Himmel.

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Atlantis war einmal meine Heimat. Ich habe erlebt, wie die Inseln im Feuer der Vulkane versanken. Einem Feuer, das ich mit geschürt habe. Entstanden aus Experimenten mit dem feurigen Herzen der Erde. Ich stand an Bord eines der Schiffe, das mich von der Vernichtung meiner Welt wegtrugen. Hinein in ein neues Land. Hinein in eine andere Welt und in ein vollkommen anderes Leben. Hier musst ich von vorn beginnen und dabei meine Kraft neu erfinden.

 

Ich war Priesterin.  Steinkreise, Dolmen und Hügelgräber sind mir so vertraut, wie meine Seele. Ihre Sprache erreicht mein Herz, wo immer ich ihnen begegne. Sie erzählen die Geschichte dieses Neubeginns. Sie bewahren die Weisheit der Vergangenheit.

 

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Indien. Nepal. Tibet. Bhutan. Da ist dieses tiefe Gefühl für den Subkontinent und den Himalaya. Meine Yogalehrerausbildung hat mir den Zugang geebnet. Mein Aufenthalt in Nepal die Erinnerungen wachgeküsst. Sanskrit ist eine Sprache, die meine Lippen kennen. Die Zeichen sind wie Malerei, der Klang ist pures Licht. Mein Körper freut sich am Wiedererkennen der Asanas. Und meine Seele reist in der Meditation durch Zeit und Raum. Mitten ins Herz der Berge. In eine Zeit vor der Zeit.

 

Von dort zu Buddha und meinen hinduistischen Wurzeln. In ein Leben als Mönch in einem der Klöster weit oben in den Bergen. In ein Leben mit Yoga in seiner ursprünglichen Form. In Leben, in denen die Buntheit und das pralle Sein dieser Länder mir so vertraut waren, wie die Stille des Himmel und die schneebedeckte Unendlichkeit.

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Das antike Griechenland - es genauso ein Teil meiner Geschichte. Auch hier war ich Priesterin. Ich habe die Sonnenaufgänge über den Bergen geliebt und die Kühle des Morgens. Ich bin mit der steinigen, kargen Erde verbunden und mit der Wärme der Sonne. Ich liebe das Geräusch des Windes in den Blättern der Olivenhaine. Ich liebe die knorrigen Stämme und das Schattenspiel am Boden.

 

Ich weiß auch, das dieses Land damals ganz anders ausgesehen hat. Die abgholzten Bergkuppen sind für mich bis heute nur schwer zu ertragen. In meiner Erinnerung lebt ein grüner Teppich über diesem Land. Ich fühle die Verletzung. Ich fühle die Sehnsucht nach seiner wahren Gestalt und ich wünsche mir, das die Wälder und sprudelnden Bäche unter dem blauen Himmel wiederkehren. 

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Das Mittelalter. Zeit voller heftiger Erinnerungen. Ich bin unzählige Male auf Scheiterhäufen verbrannt. Ich war Heilerin, Aussätzige und Ausgestoßene. Ich habe in Wäldern gelebt. Ich wurde verraten, gefoltert, verurteilt, gedemütigt. All den Menschen, die damals Schlüsselfiguren in meinem Leben waren, bin ich wieder begegnet. Mit jeder Begegnung hat mir mein Leben eine Einladung geschenkt. Die Einladung, meine Vergangenheit zu verändern. Die Chance auf Heilung tiefer Wunden. Die Übernahme von Verantwortung für meinen Teil der Vergangenheit. Dem Ende der Angst vor dem anderen, dem dunklen Pol in mir. Integration. Das ist die Heilung. 

 

Ich liebe es, das alte Wissen in mir erwachen zu fühlen. Es zu nutzen. Und zu erleben, das die Zeit, am Rand der Gesellschaft zu stehen, vorbei ist. Ich liebe es, wie ich wieder lerne zu vertrauen. Mir selbst und den Menschen um mich herum.

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Ich kam von Westen. Über's Meer. Von Atlantis. Und fand hier meine neue Heimat. Irland, die Äußeren Hebriden, die keltische Kultur, Britannien, Avalon, alles ist so vertraut... Die Steinkreise erzählen von meiner Vergangenheit. Cornewall, Glastonbury. Avebury. Stonehenge. Callanish. 

 

Ich fühle mich zu Hause in dieser rauen Natur. Inmitten der Stürme werde ich lebendig. Im schottischen Hochland, auf den Inseln am Rande Europas, da tanzt etwas in mir und freut sich über das Wiedererkennen.

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Bei den Indianern Nordamerikas liegen die Wurzeln, die am deutlichsten in mir singen. An einem Ort, unweit der großen amerikanischen Seen, an der Grenze zwischen Kanada und den USA. Und in der Weite der Prärie. In der Dichte des Waldes. An den Ufern von Flüssen und Bächen. Und bei den Spitzen der schneebedeckten Berge. Seit ich Kind war, fühle ich diese Verbindung zutiefst. Ich habe so oft davon geträumt, über die Ebene zu fliegen mit meinen Freunden, den Pferden. Ich habe die Tipis im Abendlicht gesehen, den Trommelklängen gelauscht und den Atem des Großen Geistes in meinem Herzen gefühlt. Ich war Kriegerin und Schamanin. Frau, Mutter, Geliebte.

 

Ich habe die Verfolgung und Vertreibung miterlebt, die Kämpfe und die Blutbäder mit den Weißen. Ich habe geliebte Menschen verloren und soviel Leid gesehen, das es für die Ewigkeit reichen würde. Ich kann die Schreie meine Brüder und Schwestern noch heute hören. Ich kann ihre Verzweiflung noch heute spüren. Weil sie meine eigene ist. 

 

Ich war eine Indianerin. Ich bin es bis heute. Die Menschen von damals sind auch jetzt wieder Teil meines Lebens. Sie gehören wieder zu meinen wichtigsten Begleitern. Sie stehen mir wieder am nächsten. Für mich ist das ein unglaublich großes Geschenk. Es ist so schön, die vertrauten Seelen so nah zu fühlen. Und zu erleben, wie wunderbar es ist, zutiefst verstanden zu werden. 

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© Heike Würpel

Kalaallit Nunaat war die Heimat einer Kindheit. Als Tochter eines Schmanen. Von hier wurde ich entführt. An Bord eines dänischen Schiffes. Gegen meinen Willen, mit Gewalt und für immer. Das sind Erinnerungen an brutalste Vergewaltigungen und Erniedrigungen. Ich musste eine Sprache lernen, die bis heute als einzige Sprache der Welt meine Nackenhaare aufstellt und mich zurückweichen lässt. Es ist die einzige Sprache, die meine Zunge kaum aussprechen möchte.

 

Der Schmerz, der Verlust der eigenen Identität, die ewige Sehnsucht nach zu Hause -  sie alle sind intensiv und deutlich spürbar. Jetzt kann all das wieder heilen. Sie erklären, warum ich mich hier vom ersten Moment an wirklich zu Hause gefühlt habe. Und sie erklären auch, warum ich dieses Land wieder zu meiner Heimat machen werde. In diesem Leben.

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Israel und Palästina. Die Länder am Beginn Asiens. Die Länder von Jesus. Sie sind ein Teil von mir. Die hebräische Sprache ist mir vertraut gewesen. Wenn ich die Zeichen heute sehe, dann fühle ich die Nähe. Ich kenne die Religion, die damals entstanden ist.

 

Ich erinnere mich an die Nächte in der Wüste und die Schönheit des Sternenhimmels. Ich erinnere mich an das Gesicht von Jesus und an seine Stimme. Jerusalem ist für mich ein heiliger Ort. Die Trennung des Landes, der Krieg, das Blutvergießen und die endlosen Spiralen der Gewalt geht mir so nah, wie ein Krieg in meinem Körper. Weil dieses Land in mir lebt. Und weil die Liebe in mir lebt, die von dort eigentlich in die ganze Welt hinein strahlen sollte.

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Die Vulkaninseln am Anfang des Sonnenaufgangs - Japan - auch dort habe ich gelebt. Das Leben und die Ehre eines Samurai ist auch ein Teil meines Blutes und meines Körpers. Der Krieger, der ich hier einst war, ist lebendig.

 

Ein Film hat die Erinnerungen geweckt. "Shogun". Die Sprache - ich lerne sie seit Jahren, immer wieder ein Stückchen mehr. Der Wunsch, den Boden wieder zu betreten, ist nach wie vor wach in mir. Um dann zu erleben, was dort noch für Schätze auf mich warten.

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                          © Ulla Trampert / pixelio.de                  © Ulla Trampert / pixelio.de                  © Dirk Röttgen / pixelio.de

Es ist ein uralter Puls, den ich in jeder Zelle wiederhallen fühle, sobald ich afrikanischen Boden betrete. Als würde meine DNA, hallo tanzen, zum Wiedersehen. Das rhythmische Tönen der Massai bringt die Verbundenheit zurück. Ich möchte zu Fuß durch die Weite der Savanne streifen, den Tieren begegnen, den Botschaften vom nächtlichen Sternenhimmel lauschen. In den bunten Farben versinken und die Lebensfreude der Menschen aufsaugen, wie ein Schwamm. Damit sie wieder ein Teil von mir werden. 

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Australien. Auch das ist Verwurzelung in alter Erde. Es ist Verbindung mit der Kraft von Gesang und Regenbogenschlange. Es ist Erwachen einer Liebe für die endlose Wüstenwelt. Für die heiße Sonne und die Sinne, die es braucht, um in dieser Umgebung zu überleben.

 

Die Fähigkeiten haben in mir geschlafen. So lange. Doch sie sind niemals verlorengegangen. Genauso wie die Botschaften der Aborigines. Für die bewahrte Weisheit der Vergangenheit. 

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Es gibt so viele Erinnerungn. Überall, wie kleine Juwelen finde ich sie. In der Welt von Maya's und Atzteken, in den Gesängen Hawaii's, in den kunstvollen Rundungen der arabischen Schriftzeichen, beim Anblick der Alhambra, bei den Steinsetzungen Gotlands, im Winter Sápmi's.... Facetten meiner Leben, die alle wieder wach geworden sind. Und mich mit einem Gefühl von unglaublichem Reichtum und Ganzheit beschenken.

 

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Ich glaube, wir alle tragen Erinnerungen in uns, an andere Leben. Wir alle sind nicht zum ersten Mal hier. Vielleicht ist das der tiefere Grund, warum wir soviel reisen auf unserer Erde. Vielleicht erklärt das die Sehnsucht nach der Ferne. Es ist die Sehnsucht nach den verlorenen, vergessenen Teilen unseres Wesens. 

 

Für mich geht die Zeit der intensiven Suche jetzt zu Ende. Das, was wichtig war, ist wieder lebendig. Fest im Bewußtsein verwoben. Ausbalanciert. Geheilt, was geheilt werden musste. Es wird Zeit, sichtbar zu werden, mit dem, was ich gesammelt habe, in all diesen Jahrhunderten. Zeit, andere Menschen daran zu erinnern, das sie soviel mehr sind, als ihr Geburtsdatum erkennen lässt. Zeit das Wissen und die Weisheit zu teilen. Für eine Zukunft, in der Balance entstehen kann. Zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem.

 

 

 

 

 

 

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Timmijaaraq